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Zweierlei Torten à la Nini

Es gibt für jede Gelegenheit den passenden Grund, ein oder zwei Stückchen Kuchen – oder in diesem Fall Torte – zu essen. Zum Beispiel: Heute ist mein Geburtstag, gestern war mein Geburtstag, ich habe mir wirklich ein Stück verdient, Omas Bienenstich ist der beste und es wäre jetzt einfach unhöflich, nicht kräftig zuzugreifen – oder eben einfach zum Spaß, so wie Nina und ich letzte Woche.

Nina zu beschreiben, fällt mir überhaupt nicht leicht. Sie ist auf der einen Seite das nette Mädchen von nebenan: Sie trägt immer hübsche Kleider (wenn es das Wetter zulässt), hat langes, leicht gewelltes dunkelblondes (oder hellbraunes?) Haar & sie ist schon seit fast 10 Jahren (!!) mit ihrem Freund Simon zusammen. Sie liiiiebt Kinder, könnte sich stundenlang mit ihnen beschäftigen und hätte selbst dann immer noch nicht genug von pausenlosem Gebrabbel und verschüttetem Apfelsaft. Auf der anderen Seite haut sie so etwa alle halbe Stunde einen trockenen Kommentar raus, bei dem der mitschwingende Sarkasmus nicht zu überhören ist – i like! Auch wenn sie sich ihrer Umwelt immer sehr bewusst ist, nimmt sie sich selbst nicht zu allzu ernst, ist dankbar für ihr Leben & genießt es in vollen Zügen.

Nini ist für mich eine von diesen Freundinnen, die man manchmal monatelang nicht sieht, und mit der man trotzdem immer genau da anknüpfen kann, wo man sich zuletzt verabschiedet hat. Nach dem Abitur ist sie für ein Jahr nach Amerika gegangen, um bei einer Familie zu leben und ihre Zeit mit kleinen Kindern zu verbringen. Ich habe direkt angefangen in Tübingen Soziologie und Englisch zu studieren, für Nina hat nach ihrer Rückkehr das Studentenleben in Freiburg begonnen. Während der Schulzeit haben wir uns viel öfter gesehen als jetzt & trotzdem habe ich das Gefühl, wir verstehen uns jetzt besser als je zuvor. Wir sind offener und ehrlicher geworden – uns selbst und dem anderen gegenüber. Wir mögen die gleichen Dinge, sind Genussmenschen & uns treibt dasselbe an: Unsere Familie ist uns das Allerwichtigste auf der Welt, kostbare Zeit gilt es, mit Lieblingsmenschen zu verbringen, & wir haben eine Leidenschaft für’s Backen.

Ich bin inzwischen ganz gut darin, die simplen Backwerke dieser Welt herzustellen: Madeleines, Schokoladenkuchen oder Flan Patîssier (ein bisschen schick geht auch bei mir). Nina ist sehr, sehr gut darin, die komplizierten, aufwendigen und – sind wir mal ehrlich und voller Lob – die wunderschönen und superleckeren Torten dieser Welt zu zaubern. Und sie hat mir letzte Woche beigebracht, was ihr wiederum ihre Mutter Ulli über die Jahre beigebracht hat: Schichttorten aus lockerem Biskuitboden und mit einer Creme aus frischen Beeren oder mit leichter Zartbitterganache umhüllt. Beide Torten schmecken wirklich himmlisch nach dem guten Leben, wie man so schön sagt, sehen aufwendiger aus, als sie wirklich sind, & es ist echt schwer, nach nur einem Stück die Kuchengabel unbenutzt auf dem Teller liegen zu lassen.

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Zutaten für eine große Torte oder zwei kleine Torten:

7 Eier

200 g Zucker

1 Pck. Vanillezucker

175 g Mehl

25 g Speisestärke

2 EL Kakao

1 Vanilleschote

Preiselbeer-Joghurt-Füllung:

500 g Naturjoghurt

1 Becher Crème fraîche

1 Becher Sahne

1 Pck. Vanillezucker

150 g Zucker

6 Blatt Gelatine (4 weiße, 2 rote)

1 Glas Wildpreiselbeeren

2 EL Zitronensaft

1 EL Rum

Schokoladenganache:

400 g Sahne

200 g Zartbitterkuvertüre

Zum Garnieren:

Kirschen, Blaubeeren, Himbeeren, Brombeeren, Pistazien, Minze + was euch sonst noch einfällt

Tipp: Am Besten backt man in drei Etappen – dann ist man auch nicht so schnell überfordert 🙂 Der Biskuit kann so richtig auskühlen und fällt beim Auseinanderschneiden nicht zusammen, die Schokoladenganache hat über Nacht Zeit kalt zu werden und die Joghurtfüllung wird im Kühlschrank schön fest.

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1. ETAPPE: Biskuitböden backen + Schokoladenganache zusammenrühren (Dauer: ca. 45 Min.)

Ofen auf 200°C vorheizen.

Mehl und Speisestärke in eine Schüssel sieben. Eier und Zucker in eine große Schüssel geben und etwa 7 Minuten mixen bis die Masse weiß und fluffig ist. Mit einem Holzlöffel den Mehl-Stärke-Mix unter die Ei-Zucker-Masse ziehen.

Den Teig in zwei Schüsseln gleichmäßig aufteilen. Unter die eine Hälfte den Kakao rühren und unter die andere Hälfte das Vanillemark und den Vanillezucker.

Da wir zweierlei Torten gemacht haben, haben wir jetzt zwei Formen mit einem Durchmesser von je etwa 18-20 cm gefettet, mit Backpapier ausgelegt und jeweils einen Kuchenteig hineingegeben. Das Backpapier unbedingt passend zurechtschneiden, d.h. einen Kreis für den Boden und auch die Seiten auskleiden. Sonst habt ihr am Ende unschöne Falten am Kuchenrand.

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In den Ofen schieben und etwa 20 Minuten backen – nach 15 Minuten die Stäbchenprobe machen. Wer sie nicht kennt: Einen Holzstab (z.B. Schaschlikspieß) nehmen und in den Kuchen stecken, rausziehen. Klebt noch Teig an dem Stab, braucht er noch eine Weile.

Jetzt die Ganache zubereiten. Die Schokolade grob zerhacken. Die Sahne vorsichtig erhitzen, einmal aufkochen und vom Herd nehmen. Die Schokolade einrühren, bis sie sich aufgelöst hat. In eine Schüssel geben und kühl stellen. Kurz vor der weiteren Verarbeitung schlägt man die kühle Masse einfach kurz steif, wie normale Sahne.

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2. ETAPPE: Joghurtcreme mixen, Torten schichten + kühl stellen (Dauer: ca. 30 Min.)

Wir haben uns am nächsten Morgen nochmal getroffen: Die Böden waren ausgekühlt und auch die Ganache hatte jetzt genau die richtige Temperatur.

Die Gelatine in eine Schüssel mit kaltem Wasser geben, etwa 10 Minuten einweichen lassen. Zitronensaft und Rum langsam erhitzen, vom Herd nehmen und die ausgedrückte Gelatine (so ausdrücken, dass kaum mehr Wasser rauskommt) einrühren, bis keine Klumpen mehr übrig sind. Zurück auf den Herd und nochmal kurz aufkochen. Kurz auskühlen lassen.

Die Schokocreme steifschlagen, bis man die Schüssel auf den Kopf stellen kann und nichts verrutscht.

Yoghurt, Crème fraîche, Vanillezucker und den normalen Zucker glatt rühren. Um die Temperatur anzugleichen und damit der Yoghurtmix nicht gleich wieder zusammenfällt, ein paar Esslöffel der kalten Masse in den noch warmen Topf mit der Gelatine geben. Jetzt alles zu der Yoghurtmasse geben, vorsichtig mit einem Löffel vermischen. Die Sahne steif schlagen und unter die Masse heben. Die Wildpreiselbeeren unterheben.

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Jetzt werden die Schichten geschnitten. Dafür legt ihr den ersten Tortenboden auf ein großes Brett, nehmt ein langes Brotmesser (mit Zacken) und platziert eine Handfläche mittig oben auf dem Kuchen. Je nachdem ob ihr später zwei oder drei Schichten haben wollt, mit dem Messer an entsprechender Stelle horizontal und gerade (!) in die Seite einschneiden. Und jetzt ohne viel nachzudenken hin- und herschneiden und gleichzeitig den Kuchen mit der oben aufgelegten Hand gegen die Schneiderichtung drehen. Mit dem zweiten Biskuit wiederholen.

Den weißen und den dunklen Bodenteil der zwei Kuchen auf jeweils eine Tortenplatte legen. Um den hellen Boden einen Tortenring legen, da die Gelatine erst beim Kühlen ihre Wirkung entfaltet, fest wird und den Kuchen so zusammenhält.

Auf den hellen Boden einen Teil des Joghurts und auf den dunklen einen Teil der Schokomasse geben. Nina und ich haben ein paar Beeren dazwischen gemogelt, das hat sehr gut geschmeckt und sah von der Seite schön aus. Die Mittelschicht auflegen und leicht andrücken. Wiederholen und am Ende mit dem „Deckel“ abschließen. Die helle Beerentorte kann jetzt schon in den Kühlschrank, die Schokotorte könnt ihr noch gleichmäßig mit der restlichen Ganache bestreichen. Mindestens für 3 Stunden kalt stellen.

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3. ETAPPE: Verzieren + genießen! (Dauer: Open End!)

Jetzt kommt der spaßige Teil: Stellt alle Zutaten bereit, die ihr zum Garnieren der Torte verwenden wollt. Die kühlen Torten aus dem Kühlschrank nehmen, den Tortenring entfernen. In unseren kleinen Schüsselchen hatten wir für die Schokotorte Kirschen, Blaubeeren, Brombeeren und Pistazien. Die helle Beerentorte haben wir zuerst mit Puderzucker bestäubt, um ihr eine glatte Oberfläche zu geben, und dann mit Himbeeren, Erdbeeren, Minze und ein paar Blüten geschmückt.

Habt Spaß, seid kreativ und probiert unbedingt beide Torten! Nina meinte nach ihrer ersten Gabel Wildpreiselbeertorte: „Die ist ein Gedicht!“. Und mir ging es nach einem Biss Schokoladentorte nicht anders.

Danke, Nini, für alles – ich hab‘ dich lieb!

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